Tag 100

Zu meinem 100. Tag in Argentinien habe ich mir überlegt einfach mal ein paar Bilder zu posten.

Außerdem endet die Schule diese Woche, und die großen Sommerferien beginnen. Ich freue mich schon riesig darauf neue Erlebnisse – die nur darauf warten erlebt zu werden – zu leben und euch daran teilzuhaben! Bis dahin wünsche euch schöne, hoffentlich winterliche, Adventstage.

Léonie

 

Ausflug nach „Colonia Suiza“

Chile

 

Bingo Abend mit meiner Klasse (Motto: Flower Power)

 

Campausflug mit „Grupo Solidario“

 

 

 

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Das Eis schmilzt…

So langsam aber sicher kommt hier der Frühling. Jedes mal wenn wir unterwegs sind, oder ich auch nur aus dem Fenster schaue kann ich Stück für Stück erkennen wie das Eis immer mehr schmilzt. Auch wenn ich mehr die warmen Tage mag, hätte ich auch noch gerne den Winter länger genoßen. Es ist so unglaublich schön, wenn die Stadt voll mit Schnee bedeckt ist und die Berge ebenfalls von Schnee ummantelt sind. Außerdem kann man Ski fahren gehen, was nach den zwei Malen ausprobieren schon irgendwie süchtig gemacht hat. Es ist ein unglaublich toller Sport! Es ist schon irgendwie ungewohnt im September Frühlingsanfang zu haben, aber jetzt blüht die Stadt in bunten Farben auf und an den Straßenseiten sind überall Kirschbäume. Bis jetzt hatten wir schon ein paar Tage mit Sonnenschein, besonders in den letzten Tagen war es sehr warm. Die Luft hier unten ist zwar allgemein viel frischer als bei uns in Deutschland, aber dafür ist die Sonne unglaublich stark. Na ja, genug über den Frühlingsanfang gesprochen…

Kurz nach meinem letzten Blogeintrag hatte ich zusammen mit Iara, Manu (Cousin), Ileana (Gastmutter), und Abu (Oma) ein aufregendes Wochenende vor mir. Denn wir fuhren von Sonntag bis Montag nach CHILE!!! Ich war so unglaublich aufgeregt und kann es bis heute nicht fassen, dass ich die Chance hatte eines der Nachbarländer von Argentinien zu sehen. Am Sonntag ging es dann in aller frühe los, und auch wenn jeder von uns noch nicht so ganz wach war konnten wir so zusammen den Sonnenaufgang über den Bergen genießen. Die sechs stündige Fahrt dorthin war für mich eines der schönsten Erlebnisse bei dem ganzen Ausflug, denn die Aussicht war einfach atemberaubend. Die meiste Zeit fuhren wir direkt neben dem riesigen See entlang, dennoch hatten wir den Blick auf die Berge – dahinter die aufgehende Sonne und das orangefarbene Licht über dem See. Nach ein paar Stunden Fahrt haben wir dann endlich die Spitze des Berges erreicht, und somit die Grenze von Argentinien zu Chile. Schnell ein paar Fotos und weiter ging´s! Angekommen in einer kleinen Stadt namens „Osorno“ und direkt weiter mitten in die kleine Innenstadt. Chile ist berühmt für die vielen günstigen Sachen die man dort kaufen kann, somit hatte ich die Gelegenheit z.B. meine Schulklamotten zu kaufen. Nachdem jeder ein paar Kleinigkeiten seiner Anliegen gekauft hatte, war der Abend bereits eingetroffen. Nach einer frischen Dusche – kurzem Klamottenwechsel – wollten wir los zu einem ganz bestimmten Restaurant. Es ist wohl schon irgendwie zur Tradition für meine Gastfamilie geworden dort hin zu gehen. doch dann…Geschlossen! Zu unserer Enttäuschung (besonders zu meiner, da alle schon von dem leckeren Essen dort geschwärmt hatten) ging es dann wieder zurück zum Hotel, um nachzufragen was denn anderes noch auf hätte. Trotz der kurzen Enttäuschung waren wir alle noch in guter Laune, und freuten uns auf den gemeinsamen Abend. Ein kleines Restaurant das in der Nähe war hatte noch auf, wo die Küche so gut wie schon zu hatte. Für eine Pizza war es da schon zu spät! Also entschieden wir uns für ein Sandwich mit der berühmten chilenischen „Pasta de Palta“ (Creme aus Avocado). Wir hatten ein echt lustigen Abend, mit viel Gesprächsthema und Witzen über unser kleines Erlebnis. Außerdem glaube ich  war das mein erster Abend wo das Gitter vor dem Restaurant runter gelassen wurde, während wir noch am essen waren. Wir waren mit einer anderen Familie – die wohl auch glücklich darüber noch ein offenes Restaurant gefunden zu haben – die letzten Gäste gewesen. Den nächsten Tag genoßen wir auch in vollen Zügen und waren den Tag über die meiste Zeit in der Stadt, denn an dem Montag hatten dann auch noch die anderen Geschäfte geöffnet. Kleiner Ausflug – Spannender Eintauch in die Kultur von Chile!

In den zwei Monaten die ich grad mal hier bin, habe ich ein echt vertrautes Verhältnis zu meiner Gastschwester iara aufbauen können. Sie hilft mir unglaublich viel um die Sprache zu lernen, die Kultur besser kennenzulernen, und wir können uns so gut wie immer über alles austauschen. Vor ein paar Wochen fragte sie mich dann ob ich mit ihr zusammen zu der „Grupo Solidario“ (Solidaritätsgruppe) kommen möchte, die immer Samstag nachmittags stattfindet. In ein paar Sätzen erklärte sie mir ungefähr, was das überhaupt für eine Gruppe ist und was wir dort machen werden. Bevor wir uns auf den Weg machten war ich schon sehr gespannt, weil ihre Beschreibung mich wirklich neugierig gemacht hat. Gleichzeitig war ich erstaunt darüber wie sozial engagiert sie ist. Denn neben der „Grupo Solidario“ hat sie immer das Bedürfnis helfen zu wollen, und stets ein offenes Herz für die Investierung in anderen Menschen und besonders Kindern. Jedenfalls haben wir uns dann auf den Weg Richtung Schule gemacht, wo der Treffpunkt der Gruppe war. Ein paar Gesichter kannte ich bereits aus meiner Parallelklasse und es waren auch ein paar Mädels aus meiner Klasse da. Nach der traditionellen Küsschen rechts – Küsschen links Begrüssung haben wir zwei Teams gebildet um Fußball zu spielen. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, und mit ein paar lustigen Bemerkungen über die deutschen Fußball-Weltmeister war zu rechnen (denn natürlich hatte unser Team gewonnen!) Danach haben wir uns zusammen gesetzt um Merienda zu haben. (Kurze Erklärung: Merienda ist eine Art Kaffetrinken der Argentinier. Sie trinken meistens Mate und essen eine Kleinigkeit zusammen. Der Unterschied ist jedoch, dass es hier jeden Tag stattfindet denn das Abendessen wird hier erst sehr spät eingenommen. Oft kommen Freunde, oder Familienangehörige vorbei um so auch Zeit miteinander zu verbringen, denn das ist auch eines der Dinge auf die hier sehr viel Wert gelegt wird. Manchmal sind es nur 20 Minuten, um sich über den Tag bzw. die verschiedensten neuen Ereignisse zu unterhalten.) In ein paar Sätzen hatte ich dann die Gelegenheit mich kurz vorzustellen, jedoch konnte ich nicht alles in spanisch sagen es war erst meine fünfte Woche hier und dadurch etwas schwierig. Aber dank iaras Übersetzung hatten alle im nachhinein verstanden was ich gesagt hatte. Laut Feedback in einer kleinen Abschlussrunde, habe nicht nur ich mich von Anfang an als ein Teil der Gruppe gefühlt, die meisten haben für sich mitnehmen können, dass es nicht darauf ankommt dieselbe Sprache zu sprechen um sich akzeptiert zu fühlen. Eine Chance sich Toleranz gegenüber zu zeigen, und als Gruppe stärker zusammen zu wachsen. Neben dem Treffen in der Schule liegt der Schwerpunkt der Gruppe auch darin anderen zu helfen. Du kannst in ein Viertel wo viele ärmere Menschen, besonders Kinder leben gehen um zusammen Merienda zu haben. Für die Kinder ist das wichtigste und schönste dabei: die Zeit und das Interesse an ihnen zu haben. Spiele zu spielen, zusammen zu lachen, eine persönliche Beziehung aufzubauen, Sorgen zu teilen etc. Ebenfalls wird auch oft ein gemeinsamer Ausflug unternommen. Die Stadt ist dafür bestens geeignet, denn sie bietet so viele Möglichkeiten an Aktivitäten.

Am Wochenende vom 09.10-11.10.2015 veranstaltete die Grupo Solidario ein kleines Camp. Wir waren in einem kleinen Viertel namens „Don Orione.“ Wir waren so um die ca. 20 Personen, mehr eine kleine Gruppe aber dafür umso einfacherer alle auf eine persönliche Art und Weise kennenzulernen. Gemeinsame Musik, Gespräche, Spiele (sogar Risiko), und einen kleinen Nachtausflug zum See um gemeinsam den klaren Sternenhimmel zu bewundern. Man konnte wirklich jeden einzelnen Stern erkennen, dieser Anblick war einfach unbeschreiblich. Meine erste Sternschnuppe habe ich dann auch endlich gesehen!! Das Wochenende ging viel zu schnell vorbei, aber jeder Moment war unvergesslich.

Was mich vom ersten Moment an begeistert hat war aus welcher Motivation die Jugendlichen handeln. Sie verbringen ihren Samstag damit anderen zu helfen, weil sie ein Unterschied in dieser Welt machen wollen. Und dabei ist der Glaube für viele eines der stärksten Antriebe. Bevor ich hier hin kam hatte ich auch auf dem Herzen anderen helfen zu können, aber als Austauschschülerin niemals hätte vorstellen können. Doch jetzt habe ich nicht nur die Möglichkeit eines meiner Wünsche zu leben, sondern auch Teil der Gruppe zu werden und neue Freundschaften zu schließen. Ich bin so unglaublich dankbar für diese Gruppe, und für den Tag an dem Iara mich gefragt hat mitzukommen.

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, aber ich muss jetzt los zum Athletik. Seit ein paar Wochen habe ich dann endlich wieder Sport anfangen können. Es findet drei mal die Woche statt und der Platz an dem wir trainieren ist inmitten der Natur: Wunderschön! Es macht echt viel Spaß und erstaunlicher Weise trainiert uns das Ehepaar umsonst!

Ich sende euch die schönsten Grüße und hoffe ihr habt einen schönen Herbst!

Eure Léonie